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Baunetzwoche, 25.02.2011
Dörfer in den Alpen scheinen also insgesamt einer modernen Betonarchitektur gegenüber durchaus aufgeschlossen zu sein. Neben der offensichtlichen Beziehung zu den umliegenden Gipfeln gibt es aber noch einen zweiten, mindestens ebenso wichtigen Bezugspunkt; denn um sich zwischen den Bergen zu bewegen, ist eine stabile Infrastruktur notwendig, deren Anlagen überall gut sichtbar in die Landschaft eingeschrieben sind: Straßen, Brücken, Lawinenwände, Staumauern und Schutztunnel prägen das Bild der Landschaft. Und so soll der kleine Alpenrundgang mit der Besichtigung zweier Brücken des Österreichischen Büros Marte.Marte Architekten (Weiler) enden. Die Schanerlochbrücke bei Dornbirn liegt an einer von Naturtunneln und Steinbrücken geprägten Bergstraße, und so ist auch die Betonkonstruktion „aus der Typologie der Steinbogenbrücken“ gedacht. Der Bogen wird aber mit dem neuen Material maximal ausgereizt, sodass die Biegung mehr der Biegung der Straße als ihrer Belastung folgt. Es ist eine erstaunlich leichte Brücke entstanden, die nur vom Flussufer aus zur Skulptur wird. Aus Fahrersicht bleibt sie vollkommen unaufgeregt.
Bei der Alfenzbrücke verhält es sich beinahe umgekehrt. Sie liegt direkt neben der Straße und lenkt die Blicke der Fahrer mit ihrer expressiven Betonstruktur auf sich. Zur viel befahrenen Straße bleibt die Brücke geschlossen, zur Ill hin öffnet sie sich mit ihren unregelmäßigen Zug- und Druckstäben. Der Hochwasserschutz verhinderte eine tiefgründende Konstruktion, jetzt sieht die Brücke aus, als könnte man sie einfach wegnehmen, wenn man nur groß (und stark) genug wäre.
Stefan Marte wird beinahe mythisch, wenn er über Beton spricht: „Beton ist für mich mehr als ein Material, es verkörpert ein Gefühl. Das Berühren einer glatt geschalten, von der Sommersonne erwärmten Betonwand vermittelt mir eine beruhigende Schwere, die mich in meinem Innersten trifft. Diese erdige, der Natur entnommenen Mischung lässt sich frei formen, verhilft unseren Gehäusen zur gewünschten Plastizität. Die Unmittelbarkeit von Bauten in Beton in der Landschaft, im Naturraum fasziniert wieder und wieder. Einem eingeschlagenen Kometen gleich kommt Haus M. auf der Wiese zu liegen, ist die Schanerlochbrücke zwischen Felswände gespannt und windet sich gegen Zug- und Druckkräfte, wandelt sich Statik in Dynamik.“ So lange solche wunderbaren Infrastrukturbauten die Alpen erschließen wird wohl auch die Akzeptanz von rohem Sichtbeton in der Bevölkerung hoch sein. Sofern seine skulpturalen Qualitäten alleine nicht ausreichen, um ihn bei gekonnter Anwendung wunderschön zu finden. (Florian Heilmeyer)


